Freitag, 30. August 2013

Tagesbriefing 30.08.2013 - Die USA im Alleingang gegen Syrien

Syrien

Nachdem Europa - die Türkei schließe ich vorerst nicht ein - und Israel umfassend bekundet haben, nicht aktiv an einer Militäraktion - einem Euphemismus für Angriff, es handelt sich nicht um ein Sonderangebot im Supermarkt - beteiligt sein zu wollen, stehen die USA isoliert da. Die Entscheidung gegen einen Angriff auf Syrien wurde in den Parlamenten Frankreichs und Großbritannien gegen den Willen den Präsidenten bzw. des Premieministers getroffen. Diesen Gedanken bitte ich im Hinterkopf zu behalten.

Herr Obama hat nun eine Reihe von Optionen: Versuchen einen Angriff vor dem amerikanischen Kongress zu rechtfertigen - nach den Regeln der War Powers Resolution, welche einen Nachweis der akuten Bedrohungen der USA verlangt, wie schon in Libyen die War Powers Resolution ignorieren und nachträglich die Zustimmung des Kongresses einholen ( Militärschlag als nichtkriegerische Handlung auslegen ....) oder zurückzurudern und die UN-Ergebnisse abwarten inklusive einer Resolution, die es nicht geben wird.

China, Russland, Frankreich und Großbritannien stimmen als Vetomächte nicht für eine UN-Resolution, nur die USA verlangt diese mit der Begründung auf ein noch nichtuntersuchtes Ereignis. Die Frage ist, wie die USA moralisch ihr Verhalten rechtfertigen wollen. Aufgrund des Lagebildes des UN-Sicherheitsrates wird es schwer nicht als oportunistischer Kriegstreiber dazustehen, wenn man jetzt zuschlägt.

Die veränderte Lage verlangt ein anderes Muster des Schlages der USA: Ein Luftschlag mit konventionellen Luftfahrzeugen fällt aufgrund der überproportionalen Luftverteidigung Syriens aus.  Einige der Flugabwehrsysteme werden nach wie vor von russischen Experten bedient, die auch die F4 Phantom der türkischen Luftwaffe ausgeschaltet hat, die - der Flugroute nach zu urteilen - eine Aufklärungsmission geflogen hat.
Ich teile die Auffassung der Presse, dass lediglich Marschflugkörper oder B2 Bomber (stealth) einzusetzen
wären. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob letztere nicht doch wie die F117 zu orten sind. Kosteneffizienter sind Marschflugkörper, welche von verschiedenen luftgestützten und maritimen Einheiten eingesetzt werden können. Für den Einsatz eines Marschflugkörpers aus der Luft muss man aufgrund der hohen Reichweite den syrischen Luftraum nicht penetrieren.

Ausblick:

Interessant wird eine Chancengleichung ausfallen und eine Auswertung, wie effektiv so ein Einsatz überhaupt ist. Ich werde im heutigen Update nicht wie angekündigt über die Scuds schreiben, da dies nicht annähernd so wichtig erscheint wie eben diese Chancengleichung. Ich werde - ohne Anspruch auf Fehlerfreiheit- versuchen zu bestimmen, wie viele Tomahawks überhaupt in der Region sind, wie groß deren Trefferwahrscheinlichkeit ist und wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Bekämpfung durch die syrischen Flugabwehr ist. Dann haben wir grob die Zahl der erfolgreichen Zielbekämpfungen. Hinzu werde ich ebenfalls die möglichen Ziele bestimmen, was einige Überraschungen beinhalten wird (!) und dann den Faktor einbeziehen, dass alle wichtigen militärischen Infrastrukturen entweder regelmäßig verlegt werden oder in Schutzbauten untergebracht wurden bzw. nicht aufgeklärt wurden.

Abschließend wird es eine Stellungnahme geben, ob die syrische Armee überhaupt geschwächt wird und was dann der Sinn dieses Angriffes überhaupt war. Zum jetzigen Zeitpunkt sind meine Recherchen noch nicht abgeschlossen, aber meine persönlichen Erfahrungen legen nahe, dass der Angriff kaum Wirkungen haben wird und der Sinn eher im wahren des Gesichts der USA liegen, als in einem wirklichen Unternehmen.