Dienstag, 21. Juni 2016

NATO Paper on the TALLIN MANUAL Papier 4 Kleinstaaten in digitalen Angelegenheiten und Cybersicherheit Zusammenfassung Deutsch


Klein aber smart: Die Balance zwischen Kosten und Vorteilen der Kleinstaaterei

Die Informationsgesellschaft bringt deutliche Einsparungen für die öffentliche Verwaltung und die Bereitstellung öffentlicher Güter. Für kleine Staaten bedeutet Automatisierung nicht nur reduzierte Kosten, sondern erhöht auch die Effizienz öffentlicher Dienstleistungen, welche allen gleich zugänglich gemacht werden können - unabhängig davon, ob der Bürger zentral wohnt oder abgelegen in einer kaum bewohnten Gegend des Staates.
Im Vergleich zu größeren Staaten, tendieren kleinere Staaten eher zur Rationalität als größere, wenn es zu externen Angelegenheiten kommt. Das Fehlen internationaler Verhandlungsstärke gegenüber größeren Staaten bringt sie dazu, offene Konfrontationen zu vermeiden und Kompromisse einzugehen. Das macht kleinere Staaten zu besseren Partnern in der Diplomatie machen, besonders in der Konfliktlösung, wo sie allgemein als selbstlose, altruistische Mediatoren gelten. Tatsächlich sind sie weniger sichtbar in internationalen Disputen und sie werden weniger mit hidden agendas in Verbindung gebracht. Der Einsatz für Internetfreiheit und Cybersicherheit beispielsweise ist ein ideales Thema, welches kleineren Staaten hilft Unterstützer und Follower zu gewinnen, um so digitale macht zu erlangen. Kleine Staaten müssen smart sein, um ihren Einfluss zu maximieren und das bedarf ständig neuer Innovationen. Mehrere historisch als solche angesehene Lo Tech Staaten wie Schweden, Dänemark, Finnland, Österreich und Irland haben führende Positionen eingenommen in neuen Industriezweigen wie Nanotechnologie, Biotechnologie, Telekommunikation und Cybersicherheit. Das ist nicht nur zufällig geschehen, sondern auf der Basiseiner systematisierten und konzentrierten nationalen Innovationsstrategie, welche wichtige Elemente umfassen, wie die Investition in Humankapital, Forschung und gut funktionierende Institutionen.
Diese Beispiele suggerieren, dass die Grundlage der digitalen Macht eines Landes davon abhängt, ob die Regierung die Entwicklung eines fokussierten und konzentrierten ICT Strategie priorisiert hat, sowie die eine nationale Kompetenzgrundlage, die Investitionen in Bildung und Forschung beinhaltet hat. Die Anstrengungen Limits aufzuheben, die damit verbunden sind ein kleiner Staat zu sein, können sogar von Vorteil sein.

Die begrenzten Ressourcen begrenzt die Anzahl von Themen die priorisiert werden können und bewirken eine schnelle Konsolidierung von Mehrwerten in kurzen Zeitrahmen. Die Aufmerksamkeit größerer Staaten teilt sich auf verschiedene Themen auf und zwischen anderen Langzeitzielen verstreut. Wenn kleinere Staaten auch geringere Ressourcen haben für neueste Forschung und Entwicklung können sie doch bemerkenswerte Erfolge durch Schwerpunktsetzung ihrer Ressourcen in ICT und technologischer Innovation.

Das digitale Zeitalter bringt einige neue Möglichkeiten für kleine Staaten, ihr internationales Gewicht zu erhöhen. Die ICT Revolution wird auch der Tod der Distanz genannt, da jeder Akteur im Cyberspace, klein oder groß, theoretisch im Besitz globaler Reichweite ist. Das erhöht die Bandbreite von Freunden und Feinden und eröffnet neue Einflussmöglichkeiten. Die Möglichkeit diverse strategische Kombinationen von Cybertools gleichen die Gegner in der asymmetrischen  Kriegsführung in den Bereichen Militär, Politik, Wirtschaft und soziale Ziele aneinander an. Die Asymmetrie wird auch definiert durch den Angriffsraum: Größere technologieabhängige Staaten besitzen ein größeres Netzwerk mit einer höheren Zahl von Schwachpunkten.

Estlands digitale Innovation

 Estland ist ein Kleinstaat nach jedem der drei Kriterien nach Genser: Objektive Fakten (Territorium, Population), rationale Charakteristiken ( Militär, etc.) und subjektiver Kleinstaatlichkeit ( Selbst- und Fremdwahrnehmung).

Territorium und Population sind in Estland nicht sonderlich dynamisch und vergleichsweise gering. Militärisch und machtpolitisch stellt Estland allein keine Großmacht oder Mittelmacht dar. Obwohl Estland als schüchtern und still wahrgenommen wird, ist Estland ein Musterknabe, der den Anforderungen jedes internationalen Clubs dem es angehört gerecht wird. Es gibt eine Nische in der Estlands Aktivitäten und Interessen sichtbar werden und der die Kleinstaatlichkeit Estlands kein Hindernis ist ein Opinion Leader zu sein: Cybersecurity und digitale Entwicklung. Estland hat besondere Aufmerksamkeit erregt, da es schnell auf neue Herausforderungen reagiert hat und beispielsweise vieles als E-Service anbietet und damit digitale Entwicklung zielgerichtet als Projektion von Soft Power implementiert hat.

Fazit

Die Größe eines Staates ist immer relativ und im Kontext zu betrachten - es ist daher eher die Wahrnehmung als ein statischer Zustand in Raum und Zeit. Mit cleveren Entscheidungen kann ein kleiner Staat größere Nationen herausfordern, auch wenn sie geografisch, demografisch, wirtschaftlich oder militärisch unterlegen sind. Es gibt mehrere Wege, auf welchen die Liliputaner Gulliver fesseln können. Das beginnt schon in der Fokussierung auf Themen, in denen sie vergleichsweise vorteilhaft dastehen. Estland fand diese Nische in der Entwicklung digitaler Macht, die einen klaren asymmetrischen Vorteil in Punkto nationale Sicherheit liefert. Kleinere Staaten haben im digitalen Raum größere Chancen sich zu messen, als auf dem traditionellen Schlachtfeld, da Masse kein entscheidender Faktor ist, wenn auch IT die physische Unterlegenheit vollends aufheben kann. ein effizientes Team eines kleinen Staates kann einen größeren Gegner schlagen, da mit zunehmender Größe ein Netzwerk schlechter zu verteidigen ist. Die Großen und Mächtigen können es nicht als garantiert ansehen, dass sie als Gewinner aus einem Cyberkonflikt mit einem kleineren Staat hervorgehen. Insbesondere wenn diese kleinen Staaten ein funktionierendes Netzwerk gebildet haben, dass sich auf den Expertisen der Einzelstaaten stützt und welches routinemäßig seine Fähigkeiten und Kapazitäten im regionalen Kontext testet. Gemessen am Level der wirtschaftlichen Integration und gegenseitigen Abhängigkeit ist die Bildung eines nordisch/baltischen Cyberabwehrschildes in absehbarer Zeit wahrscheinlich.